+++ Freitag, 31.01.2020 - 18:43 - Alter: 160 Days

Die Löwin geht mit Paukenschlägen

Neunkirchen In jeder Hinsicht bewegend: Gutbesuchte Abschiedsfeier für Schulleiterin des Neunkircher Steinwaldgymnasiums Karin Weiskircher-Hemmer.


Ministerin Christine Streichert-Clivot und Referatsleiter Silvio Schaller verabschiedeten Karin Weiskircher-Hemmer offiziell in den Ruhestand. Foto: Anja Kernig

Von Anja Kernig

„Schön wär’s“: Zum „Festakt zur Verlängerung der Dienstzeit“ hieß Didaktik-Abteilungsleiter Michael Müller die in Scharen zum Steinwald gepilgerten Gäste gestern Mittag in der Aula der Schule willkommen. Natürlich ein Joke – eine Stunde später war es amtlich: Karin Weiskircher-Hemmer geht zum 1. Februar in den Ruhestand, beglaubigt durch eine ministerielle Urkunde.

Zuvor hatte sich das Kollegium des Steinwaldgymnasiums zu einem Samba-Zug formiert und war, angeleitet von Tobias Klee, Rektor der benachbarten Grundschule, trillernd, stampfend, trommelnd auf die Bühne gezogen. Ordentlich „Ramba-Zamba“ lautete auch die Maxime Karin Weiskircher-Hemmers in ihrer knapp 18-jährigen Amtszeit, nutzte Bildungsministerin Streichert-Clivot rhetorisch die Steilvorlage. „Laut und vehement“ habe sie für die Interessen von Schülern und Lehrern gekämpft und sich stets „vor sie gestellt“. Dass Schule funktioniert, verdanke man Menschen wie ihr, so Christine Streichert-Clivot.

Mit technischen Widrigkeiten zu kämpfen hatte Sascha Schlicker. Immer wieder wurde der stellvertretende Schulleiter durch den Udo Jürgens Song „Heute beginnt der Rest deines Lebens“ unterbrochen, was sich zum Running Gag entwickelte.

Schlicker zählte auf, was es an Veränderungen in der Ära Weiskircher-Hemmer gegeben hatte: Angefangen von der Ausstattung der Säle und der Einführung des Spanisch-Zweigs über die Mint-Ausrichtung, mit der man damals eine Vorreiterrolle einnahm, samt Informatik-Zweig bis hin zur Frankreich-Ausrichtung, dem Doppelstunden-System und, zuletzt, der Schaffung einer Band-Klasse. Daneben erwähnte Schlicker das Ruanda-Projekt und die Bienen-AG, um schließlich mit der Steinwaldvereinbarung zu enden und dem Versprechen, die Schule in Weiskircher-Hemmers Sinne weiter zu führen.

Für den Landkreis trat Klaus-Dieter Woll ans Mikro. „Wie eine Löwin“ habe die Pädagogin ihre Schule verteidigt und „für deren Erhalt und Weiterentwicklung“ gekämpft, plauderte der Kreisbeigeordnete aus dem Nähkästchen. „Dabei konnte sie auch Zähne zeigen, wenn wir nicht zu Potte kamen.“ Ex-Steinwaldabiturientin Lisa Kühn hätte sich niemals träumen lassen, „mal meine eigene Schulleiterin zu verabschieden“. Für die Neunkircher Bürgermeisterin ist Weiskircher-Hemmer ein Beispiel dafür, dass es im Schulsystem heute um viel mehr gehe, als Bildung zu vermitteln. „Sie haben dieser Schule große Dienste erwiesen“, schloss sie ihr Grußwort. „Herzlichen Dank!“

Langweilig wird es der Ruheständlerin jedenfalls nicht so schnell. Am Montag beginnt nämlich ihr Englisch-Auffrisch-Kurs und für 2027 hat sie bereits einen festen Termin mit der jetzigen 5c. „Dann laden wir sie zu unserer Abifeier ein“, verkündeten die Kinder in einer Videobotschaft.

SZ vom 30.1.2020


Das Kollegium bedankte sich mit einem eigens zum Tag gebildeten Samba-Zug bei seiner scheidenden Schulleiterin.  . Foto: Anja Kernig