+++ Montag, 03.09.2018 - 11:19 - Alter: 21 Days

Minister besuchen Neunkircher Schulen

Minister besuchen digitalen Unterricht


Neunkirchen. Das Steinwald-Gymnasium Neunkirchen stellt den Gästen aus der Politik den Entwicklungsfortschritt im ersten digitalen Klassenzimmer des Saarlandes vor.

Knapp ein Jahr ist seit dem Start der ersten iPad-Klasse im Saarland vergangen. Das Pilotprojekt des Kultusministeriums läuft in der Klasse 9i des Steinwald-Gymnasiums. Anlass für den Kultusminister des Saarlandes, Ulrich Commerçon, und seine rheinland-pfälzische Amtskollegin Stefanie Hubig, nach dem Stand des Fortschritts zu fragen. Nachdem Schulleiterin Karin Weiskircher-Hemmer die Präsentation eröffnet hat, zeigt Französischlehrerin Michaela Vus, wie der Unterricht in ihrem Fach abläuft. Dabei kommen Programme und Apps zum Einsatz, die die Schüler beim Erlernen der Grammatik und Vokabeln interaktiv unterstützen. Auch ein Youtube-Video hilft dabei, die französische Sprache leichter zu erlernen und zu verstehen.

Im Anschluss an die Französisch-Stunde erläutert der Projektleiter und Lehrer für Englisch, Geografie und Wirtschaftslehre, Mirco Busch, wo und wie der digitale Unterricht genutzt werden kann. Der Schulbuchverlag Westermann biete dafür seine „BiBox“ an. Die Abkürzung stehe für Bildungsbox und beinhalte für fast alle Fächer digitales Unterrichtsmaterial. Im Rahmen des Pilotprojekts würden diese Materialien vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt. Klassische Schulbücher, so Busch, werden kaum noch im Unterricht eingesetzt. Allerdings werden bestimmte Aufgaben, zum Beispiel Klassenarbeiten, nach wie vor auf Papier erledigt. Die Schule lege großen Wert darauf, dass die Schüler weiterhin auch analog, sprich handschriftlich arbeiten. „Das iPad soll als nützliches Werkzeug dienen und die nicht die Kernkompetenzen Lesen und Schreiben beeinträchtigen“, stellt Busch heraus. Auch soll die digitale Welt kritisch betrachtet werden. „Denn nicht alles, was im World Wide Web steht, ist vertrauenswürdig“, weiß der Projektleiter.

Ein großes Problem des digitalen Unterrichts ist nach wie vor die mangelnde Ausstattung der Schule mit schnellen DSL-Anschlüssen und leistungsfähigem WLan im digitalen Klassenzimmer. „Wenn 20 Schüler gleichzeitig ins Netz gehen, geht das schon mal in die Knie“ sagt Mirco Busch. „Ohne Plan B geht dann nichts mehr“, so der Projektleiter. Plan B heißt, fällt das WLan aus, werden die Medien offline genutzt, was jedoch zu Einschränkungen in der Nutzung führen kann. Damit in den Räumlichkeiten ausreichend Kapazitäten vorhanden sind, müssten 20 000 Euro in den Ausbau des WLans innerhalb der Schule investiert werden.

Minister Commerçon weiß um die Problematik, sieht im Moment jedoch keine Möglichkeiten diesen Zustand zu ändern. „Dies liegt jedoch nicht am Wollen des saarländischen Kultusministeriums, sondern am Bund“, so Commerçon und seine Kollegin Hubig aus Rheinland-Pfalz unisono. Beim Bund lägen 3,5 Milliarden Euro für die Digitalisierung an Schulen bereit, von denen die Länder und Kommunen zehn Prozent stemmen müssten. „Die Auszahlung ist aber mit bürokratischen Hürden verbunden“, erklärt die rheinland-pfälzische Kultusministerin. „Die Bundesregierung verlange von den Ländern die Einrichtung von Verwaltungsstellen, die für die Verteilung dieser Gelder zuständig sind“, so Hubig. Die dadurch entstehenden Kosten gingen natürlich zu Lasten der Investitionen.

Bericht: Volker Ammann

SZ vom 30.08.2018