+++ Samstag, 04.05.2019 - 14:06 - Alter: 21 Days

Unser Besuch beim Kältebus in Saarbrücken


In unserem Seminarfach „...wie isst du denn?“, das sich mit dem Thema Ernährung befasst, geht es nicht alleine darum unseren Geschmack zu trainieren und etwas über eine gesündere Ernährungsweise zu lernen. Es geht auch darum, Anregungen und Möglichkeiten zu finden, mit Nahrungsmitteln bewusster umzugehen und der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. Ein sehr positives Beispiel dafür, wie Lebensmittel, die eigentlich entsorgt werden sollen, doch noch hungrige Mägen füllen, ist der „Kältebus“ in Saarbrücken, bei dem zwischen November und März Obdachlosen oder bedürftigen Menschen eine sichere Anlaufstelle für die Nacht und eine warme Mahlzeit geboten wird. Der Verein wirkt ehrenamtlich und ist auf Spenden angewiesen. Zu den Unterstützern gehören Supermärkte, Großhändler, Hotels, viele Privatpersonen oder Vereine und an einem Abend eben auch wir, vier Schülerinnen (Alexandra Stujko, Amelie Niebergall, Chiara Niklas und Emely Scholtes) und drei Lehrerinnen (Frau Bogenschütz, Frau Schulz und Frau Vus) unserer Schule.

Da großes Interesse von unserer Seite aus an diesem Projekt bestand, versuchten wir einen geeigneten Termin zu finden und konnten den Kältebus in Saarbrücken am Römerkastell am 21. Februar 2019 besuchen und unterstützen.

Nach der 8. Stunde fuhren wir gemeinsam nach Saarbrücken in die Metro, um zuerst einmal alle benötigten Lebensmittel zu besorgen.

Nach unserem Großeinkauf - denn schließlich sollte unser Essen ja eine Menge Menschen satt machen - ging es weiter zu Frau Bogenschütz nach Hause, die uns freundlicherweise ihre Küche zur Verfügung stellte.

Sofort machten wir uns an die Vorbereitungen für die indische Linsensuppe. Dabei wurde eine Menge Gemüse geschnippelt, geschält und zerhackt. Am Ende hatten wir vier große Töpfe Linsensuppe mit und ohne Fleischeinlage die für ca. 70 Personen ausreichen sollten. Hinzu kamen knapp 80 Muffins die wir liebevoll verzierten. Unser Essen sollte zwar in erster Linie satt machen, aber einem auch eine optische Freude bereiten.

Um 20:00 Uhr waren wir dann vor Ort um uns alles anzuschauen, eingewiesen zu werden und anschließend selbst alles für die Essensausgabe vorbereiten zu können. Auf dem Gelände gibt es einen alten Bus, der mit einer Theke ausgestattet ist, um das Essen auszuteilen. Außerdem sind im hinteren Teil des Busses ein paar Schlafplätze. Des weiteren stehen auf dem Gelände drei Container, einer zum Geschirrspülen, einer mit Essensvorräten und einer mit Sanitäranlagen. Um 21:00 Uhr ging es dann los mit der Essensausgabe.

Wir teilten uns die Arbeit. Die einen gaben das Essen aus, andere spülten oder nahmen sich die Zeit, um sich mit den Gästen zu Unterhalten. Man muss dazu sagen, dass nicht alle Besucher zu einer Konversation mit uns bereit waren, da sie sich eventuell schämen oder sehr isoliert leben. Wir hatten aber viele interessante Begegnungen und Gespräche, haben dabei erfahren, dass Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen obdachlos und bedürftig sind und man sie nicht in eine Schublade stecken darf. Es gibt die, die ein schwerer Schicksalsschlag aus dem Leben gerissen hat und die den Weg nicht zurück gefunden haben, natürlich auch die, die sich nie bemüht haben, sich vielleicht sogar ganz bewusst für diese Art zu leben entschieden haben und leider auch die, die in eine solche Situation hineingeboren werden. So kam es, dass wir an diesem Abend auch zwei Kinder bedienten, die zwar nicht obdachlos waren, aber zusammen mit ihrer Mutter wohl auf die Unterstützung angewiesen sind. Es war erschreckend zu sehen, wie schnell sich ein Leben verändern kann,  wie ausweglos diese Situationen erscheinen können, aber auch schön zu erkennen, wie froh man einen Menschen machen kann, wenn man ihn einfach nur bewusst wahrnimmt, ihm Zeit schenkt. Der Großteil der Gäste, die an dem Abend den Kältebus besucht haben, war gegenüber uns sehr offen, dankbar für unseren Besuch und unsere Hilfe. Das Erlebte hat zum Nachdenken angeregt und uns bewusst gemacht, dass wir selbst lernen sollten viel öfter dankbar zu sein für das, was wir haben und teilweise als selbstverständlich ansehen. Fließend Wasser und ein eigenes, sauberes, warmes Bett sind für uns Standard, für die Menschen, die wir an diesem Abend trafen ist das allerdings schon Luxus. Es war eine einzigartige Erfahrung und eine tolle Gelegenheit neue Eindrücke zu sammeln, zu sehen, wie einfach es ist zu helfen und wie bereichernd es für einen selbst sein kann. Wir legen jedem ans Herz solche Projekte zu unterstützen, ob mit Essens-, Geld-,  Sachspenden oder einfach nur einem offenen Ohr ... Hauptsache man tut was!

Alexandra, Amelie, Emely und Chiara