Digitalisierung macht vor Bienen nicht halt

Digitalisierung macht vor Bienen nicht halt

Im Herbst letzten Jahres hat der Bezirksverein Saar e.V. des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) seine Zusage erteilt, das Bienen-MINT-Projekt unserer Schule zu fördern. Wie es sich für eine Förderung durch den VDI gehört, sollte diese auch für Technik ausgegeben werden.

Jetzt könnte man denken: „Technik und Bienen, wie geht das zusammen?“

Alle Kinder des MINT-Projekts in Klassenstufe 5 haben selbst ein Insektenhotel zusammengebaut. Da das Schrauben von Hand für die Jüngsten an unserer Schule doch sehr mühsam ist, sind die 8 Akku-Schrauber, die wir durch die Förderung anschaffen konnten, ein Segen.

Die größte Anschaffung stellen aber zwei Bienenstockwaagen mit Wetterstation und Brutraumsensoren dar. Eine dritte Waage wurde uns für ein Jahr als freundliche Leihgabe der Firma Wolf-Waagen überlassen. Vielleicht finden sich noch Spender, so dass wir diese Juniorwaage im Wert von circa 500 Euro nächstes Frühjahr nicht zurückschicken müssen.

Aber was können unsere Bienenstockwaagen? Wozu sind sie gut?

Die Waagen messen das Gewicht des Bienenstocks, und dies alle 5 Minuten. Durch diese genauen und häufigen Messungen werden plötzliche, große Gewichtsverluste erkannt und dem Imker als Nachricht per SMS mitgeteilt, falls diese deutlich zu hoch ausfallen. So kann der Imker erkennen, ob ein Volk schwärmt. Diese Funktion hat für mich eine große Bedeutung. Durch die Lage unserer Schule im Grünen mit wenig direkten Nachbarn würde ein Schwarm höchstwahrscheinlich unentdeckt bleiben. Ein Bienenschwarm, der nicht eingefangen werden kann, bedeutet den Verlust einer teuren Zuchtkönigin und den Ausfall einer Honigernte bei einem Volk, da alle Flugbienen mit vollem Honigmagen und der Königin die Bienenbeute verlassen und eine neue Behausung suchen. Zurück bleiben circa die Hälfte der Arbeiterinnen zusammen mit einer verdeckelten Königinnenzelle. Bis die neue Königin schlüpft, dauert es meist noch eine Woche. Dann wiederum dauert es ungefähr eine Woche, bis die neue Königin außerhalb des Bienenstockes beim Hochzeitsflug von Drohnen begattet wird. Dieser Hochzeitsflug ist ein kritischer Moment, denn nicht alle Königinnen finden wieder in ihren Bienenstock zurück. Der Verlust liegt etwa bei 15 %. Zurück im Volk legt die frisch begattete Königin nach einer weiteren Woche Eier. Nach 21 Tagen schlüpfen aus diesen die ersten Arbeiterinnen der neuen Königin. Man erkennt nun, dass ein Schwarm einem Volk einen Entwicklungsrückstand von 4-6 Wochen einhandelt. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass spätestens im Juli die Trachtzeit der Bienen zu Ende geht, kann man nachvollziehen, dass ein Schwarm vom Imker nicht begrüßt wird. Das hört sich sehr wirtschaftlich an, aber das ist die Realität. Ein Bienenvolk verursacht im Laufe eines Bienenjahres eine Menge Kosten. Es müssen Futter, Mittelwände (Wachsplatten), Varroabehandlungsmittel, Rähmchen usw. eingekauft werden. Dies finanzieren wir durch die Einnahmen aus dem Honigverkauf, von dem wir mit einem Teil auch unser Ruanda-Projekt unterstützen. Unser finanzielles Polster ist durch die schlechte Honigernte im letzten Jahr geschmolzen, so dass ich über die Überwachung durch unsere Bienenstockwaage sehr froh bin. Lassen wir mal den wirtschaftlichen Aspekt eines verlorenen Bienenschwarms außen vor, würde ich dennoch versuchen, einen Schwarm einzufangen. Der Bienenschwarm hat in der freien Natur keine Chance zu überleben. Wenn Honigbienen nicht regelmäßig gegen den Schädling Varroa-Milbe behandelt werden, stirbt das ganze Volk.

Wir können über die Warnfunktion der Waage auch bemerken, wenn ein Bienenvolk gestohlen wird. Durch die Waage kann man über den Winter den Futterverbrauch kontrollieren und gegebenenfalls eingreifen. Parallel erfasst der Brutraumsensor die Temperatur im Brutraum, welche gerade im Winter anzeigt, ob es einem Bienenvolk gut geht. Über die Wetterstation werden Außentemperatur, Niederschlagsmenge, Windstärke und Richtung erfasst. Dreimal am Tag werden die Daten über das Mobilfunknetz auf den Server der Firma Wolf gesendet. Der Imker kann auf diese Daten über eine Übersichtsseite im Internet zurückgreifen oder sich die Daten in Form einer Excel-Tabelle runterladen.

Wir am Gymnasium am Steinwald können die erworbenen Daten vielseitig nutzen. Sie ermöglichen auch bei schlechtem oder kühlem Wetter einen Einblick in den Gesundheitszustand eines Bienenvolkes, ohne dieses zu öffnen. Die Bienen-MINT-Kinder lernen, die gewonnenen Daten zu lesen und zu interpretieren. Im MINT-Unterricht 6 können die Kinder mit Hilfe dieser real gewonnenen Messwerte den sinnvollen Umgang mit Daten, wie zum Beispiel die Möglichkeiten der grafischen Darstellung erlernen. Vielfältige Einsatzmöglichkeiten in den Fächern Mathematik, Informatik, Physik, Biologie und Geografie stehen uns nun offen.

Die Daten der sogenannten Masterwaage sind für jeden Interessierten über unsere Schul-Homepage einsehbar.

Der Vorsitzende des Bezirksvereins Saar des VDI, Herr Helmut Süsser, regte auch die Installation einer Kamera an den Bienenvölkern an. Ich bin sehr begeistert von der Idee. Das IT-Team unserer Schule hatte auch im November letzten Jahres seine Unterstützung bei dem Projekt zugesagt. Ohne diese würde es sich nicht realisieren lassen, da wir bei der Installation der Kamera auf die Mitarbeit des Landkreises angewiesen sind. Leider sind wir bisher keinen Schritt weitergekommen. Ich werde aber weiterhin keine Ruhe beim Landkreis geben und darauf drängen, dass das zugesagte Projekt „Kamera am Bienenvolk“ auch umgesetzt wird.

An dieser Stelle möchte ich nochmal explizit dem Bezirksverein Saar e.V. des VDI für die Finanzierung danken und meinem Imkerkollegen Andreas Hosse, ohne den die Installation der Waagen an den Bienenvölkern gar nicht möglich gewesen wäre. Das MINT-Bienenprojekt an unserer Schule wäre ohne diese personelle Unterstützung durch Andreas Hosse oder anderen Mitgliedern des Bienenzuchtvereins Ottweiler undenkbar. Ein herzliches Danke an alle ehrenamtlichen Helfer!

Bettina Hans

Fotos: Tanja Wolf

Sehen Sie weitere Artikel zum Thema:

Saarbrücker Zeitung vom 09.06.22

Ottweiler Zeitung, Ausgabe 25/2022

Honig von unseren Schulbienen

Honig von unseren Schulbienen

Unter Imkerkreisen gibt es im ganzen Saarland nur eine Meinung: Dies war ein sehr schlechtes Honigjahr. Der verregnete Frühsommer und Sommer führten dazu, dass die Bienenvölker teilweise so wenig Nektar eingetragen haben, dass manche Imker eine sogenannte Notfütterung durchführen mussten. Da unsere Schulbienen mit noch reichlich Futtervorräten aus dem Winter kamen, war eine Notfütterung bei ihnen nicht nötig.

Die Honigräume füllten sich im Mai und Anfang Juni fast gar nicht, das Schlimmste war zu befürchten. Im Unterschied zu vielen anderen Bienenstandorten haben unsere Schulbienen dann ihre Honigräume bei der Lindenblüte gefüllt. Dies schmeckt man auch. Der diesjährige Sommertrachthonig ist relativ hell und mild im Geschmack.

Greifen Sie zu, der Honigvorrat ist eher klein. Mit 50 Cent pro Glas unterstützen wir Kinder in Ruanda bei ihrer Schulausbildung.

Bienenfreundliche Grüße vom Steinwald

Bettina Hans