Lesung "Großstadtlyrik"

Ein Bericht von Mara Mattausch, Januar 2013

Am Montag, den 17. Dezember 2012, besuchten die Schauspieler Eva Coenen und Nicolas Bertholet vom Theater Überzwerg in Saarbrücken das Steinwald-Gymnasium. Im Musiksaal der Schule lasen die beiden für die E-Kurse im Fach Deutsch Gedichte aus dem Reclam-Band "Großstadtlyrik", die sie mit musikalischen und schauspielerischen Elementen untermalten. Während der gesamten 40 Minuten Vortragszeit herrschte im Raum Stille. Man konnte das Interesse der Schüler deutlich spüren, als die zwei Künstler in chronologischer Reihenfolge Gedichte von Scharfs "Liebes-Erklärung" (1892) bis Heissenbüttels "Bremen wodu" (1965) vortrugen. Eingeleitet wurde die Vorstellung von einem aktuellen Gedicht, das nicht im Gedichtband "Großstadtlyrik" zu finden ist: "Transparenz in Blau" (2012) von Durs Grünbein.

Die teilweise schweren, düsteren Texte wurden durch die entspannte Art der Schauspieler und die teils ironische Vortragsweise aufgelockert, sodass die Aufmerksamkeit der Schüler bis zum Schluss erhalten blieb. Ein Höhepunkt war sicherlich das Gedicht "Augen der Großstadt" von Kurt Tucholsky, das auch die Schauspieler als eines ihrer liebsten Gedichte bezeichneten. Ebenso ragte der Live-Vortrag einer akustischen Interpretation des Musikstücks "Ich will nicht nach Berlin" der Band Kraftklub heraus, der den aktuellen Zeitbezug der Gedichte verdeutlichte. Im Anschluss an die Lesung hatten Schüler und Lehrer nach einer kurzen Pause Gelegenheit, Fragen über die Gedichte, aber auch über den Beruf des Schauspielers im Allgemeinen, zu stellen. Nach einigen interessanten Antworten wurden die Schauspieler mit großem Applaus verabschiedet.

Insgesamt kann festgestellt werden, dass das Projekt mit viel Aufgeschlossenheit seitens der Schüler aufgenommen wurde, trotz oder gerade wegen der ungewöhnlichen Vortragsweise. Vielen erschienen die Texte hinterher verständlicher, da sie die Gedichte nicht nur lesen, sondern auch hören und sehen konnten. Natürlich hatte man zuvor manche Gedichte beim eigenständigen Lesen anders aufgefasst, aber gerade das war das Interessante an der Lesung: Man erhielt Einblicke in andere Interpretationen, und genau diese Vielfalt der Auffassungsmöglichkeiten macht Gedichte ja so reizvoll.