Ruanda

Ansprechpartner: Andrea Hrasky 

Interview mit Andrea Hrasky vom Gymnasium am Steinwald in der Sendung "Lora International" vom 29.12.2014 auf Radio Lora München. Danke an Radio Lora München für die Erlaubnis, diesen Beitrag zu verwenden. Der Mitschnitt ist in drei Teilen verfügbar.

Teil 1 des Interviews   Teil 2 des Interviews   Teil 3 des Interviews

 

 

Projektbeschreibung

Seit dem Jahr 2004 engagiert sich das Gymnasium am Steinwald in Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreis Saar-Ost in Ruanda (Programm d`assistance aux familles et aux orphelins (PAFO-Programm)), konkret unterstützen wir die Sekundarschulen in Gikonko und Rusatira in der Provinz Butare.
Neben den Patenschaften haben wir u.a. ein Dach der Schule in Rusatira finanziert, einen Computerraum mit eingerichtet und 25 Ziegen und 15 Kühe für Witwen und ihre Kinder gekauft.

Schülerpatenschaften

Bisher konnten wir fast 50 Kindern eine Schulausbildung an einer weiterführenden Schule ermöglichen, worin das Schulgeld, die Unterkunft und Verpflegung im Internat und die medizinische Versorgung enthalten sind. Die ersten sechs von uns unterstützten Patenkinder haben im 2011 Abitur gemacht!
15,-€ bezahlen die einzelnen Klassen unserer Schule jeweils monatlich, um damit ihr persönliches Patenkind in Ruanda zu unterstützen, zudem finanzieren wir als Schule weitere Patenschaften. Erfreulicherweise übernehmen auch einzelne Schüler des GaS bzw. Eltern unserer Schule privat zusätzliche Patenschaften.
Dafür in Kinyarwanda, der Landessprache Ruandas, ein großes Dankeschön: „murakoze“! Unser Projekt kennt keine Verwaltungskosten, die Gelder kommen (mit Ausnahme der Überweisungskosten) vollständig in Ruanda an.
Pfarrer Udo Nilius und Herr Rüdiger Burkhart vom Kirchenkreis Saar-Ost fahren regelmäßig nach Ruanda und überzeugen sich davon, dass unsere Patenkinder in der Schule gut versorgt sind und fleißig lernen.

Weshalb engagieren wir uns gerade in Ruanda?

Ruanda gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, 2011 lebte 90 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, d.h. von weniger als 2 US-Dollar am Tag, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 55 Jahren und die Säuglingssterblichkeit bei 50 % (Daten entnommen aus dem Datenreport 2012 der Stiftung Weltbevölkerung).
Zudem müssen die Menschen in Ruanda seit 1994 mit den Folgen einer unfassbaren Tragödie leben, dem größten Völkermord seit dem 2. Weltkrieg mit 800.000 bis 1 000 000 Toten, der in seiner Grausamkeit kaum zu übertreffen scheint.
Die Welt hat damals weggesehen, die Vereinten Nationen haben schändlich versagt.
Schwersttraumatisierte Menschen müssen mit ihren Erinnerungen zu Recht kommen und Täter- und Opferfamilien weiterhin Seite an Seite leben.
Besonders die Kinder leiden unter den Nachwirkungen des Völkermordes. Nach Angaben von UNICEF wachsen 600.000 Kinder in Ruanda ohne oder mit nur einem Elternteil und in extremer Armut auf, sodass sie spätestens nach fünf Jahren die Schule verlassen, weil das Schulgeld nicht aufgebracht werden kann.
Nach Schätzungen gibt es rund 28.000 so genannte Kinderhaushalte, in denen 100.000 Jungen und Mädchen ohne Eltern leben und sich weitgehend alleine durchschlagen. Meist kümmern sich die ältesten Mädchen um die Versorgung ihrer jüngeren Geschwister. Viele dieser Kinder werden als billige Arbeitskräfte auf Plantagen oder in privaten Haushalten ausgebeutet. Oft müssen sich die Mädchen prostituieren, um den Lebensunterhalt dieser Familien zu verdienen. Dabei sind sie völlig unaufgeklärt dem hohen HIV-Ansteckungsrisiko des Landes ausgesetzt. D.h. die Chancen der Kinder, sich eine bessere Zukunft zu erarbeiten, sind gering: 90 Prozent der Jungen und Mädchen aus Kinderhaushalten gehen nicht zur Schule.
Nähere Informationen zum Land, der Geschichte Ruandas und den Patenschaften:

Externer Link Homepage Burkart

SZ

Informationsveranstaltungen

September 2005: Besuch des Bischofs V. Mutiganda der Diözese Butare und den beiden Schulleitern der Sekundarschule in Gikonko E. Uwajyiwabo und J. Mugenzi

Schüler der Klassenstufen 6 und 8 konnten ihre Französischkenntnisse unter Beweis stellen und unseren Besuch mit vielen Fragen zum Leben in Ruanda und unseren Patenkindern löchern. Begeistert von dem freundlichen Empfang erzählten unsere Gäste vom disziplinierten Leben in der Schule, von wilden Tieren, die einem schon einmal beim Spaziergang begegnen können und den Bräuchen in Ruanda. Zum Schluss bedankten sich die drei Herren mit einem Lied in ihrer Muttersprache Kinyarwanda, bevor sie mit tobendem Applaus verabschiedet wurden.

November 2007: Lesung von Frau Esther Mujawayo-Keiner, Überlebende des Völkermordes, aus ihrem Buch „Ein Leben mehr“

Frau Mujawayo-Keiner erzählte in bewegenden Worten vom Mord an ihrem Mann und weiteren 200 Personen ihrer Großfamilie während des grausamen Völkermordes in Ruanda. Sie selbst überlebte mit ihren beiden Töchtern und versteckte sich einige Wochen in dem durch den Film „Hotel Ruanda“ bekannt gewordenen Hotel „Milles Collines“, das damals für die Volksgruppe der Tutsi der vielleicht sicherste Ort in ganz Ruanda war. Frau Mujawayo-Keiner hat nach dem Völkermord für die schwerst traumatisierten Frauen ihres Landes die Aktion „Eine Kuh für jede Witwe“ gegründet, die das GaS regelmäßig unterstützt.

SZ

Dezember 2010: Vortrag von Herrn Rüdiger Burkart über sein Engagement in Ruanda

Herr Rüdiger Burkart, der zusammen mit seiner Frau regelmäßig nach Ruanda reist, um die Schulprojekte zu unterstützen, erzählte unseren Klassen 9 und 10 über das Land, seine Menschen und den Jugendaustausch im vergangenen Sommer zwischen dem Kirchenkreis Saar-Ost und den Partnerschulen in Ruanda. Anhand vieler selbst gemachter Fotos konnte Herr Burkart ein lebendiges, farbenfrohes Bild vom Land und seinen Bewohnern vermitteln.

Aktionen

Regelmäßig finden kreative Aktionen am GaS statt, bei denen Geld für Ruanda gesammelt bzw. erwirtschaftet wird. Zudem wird unser soziales Projekt durch viele außerschulische Sponsoren unterstützt. So hat z.B. auch die Grundschule am Steinwald eine Patenschaft für ein Kind übernommen, die einzelnen Klassen zeigen sich jeweils einen Monat für deren Finanzierung verantwortlich.

  • Spendenlauf
    Eine außergewöhnlich große Spende (fast 7000€) brachte der Spendenlauf, der im Herbst 2013 im Rahmen der Feierlichkeiten zum 150 jährigen Jubiläum durchgeführt wurde. 
    Zur Entgegennahme des Spendenschecks besuchte Frau Florence Mukakabano Gasatura, die Frau des Bischofs von Butare in Begleitung des Ehepaares Burkart unsere Schule im Januar 2014. Im Anschluss an die Scheckübergabe beantwortete Frau Gasatura noch viele Fragen von Schülern der Klassenstufe 5.
    Ausführlicher Bericht  
Foto Willi Hiegel
  • Charityball
    Seit Jahren erhalten wir regelmäßig Unterstützung durch die Jugendlichen des Freiwilligen Sozialen Jahres der Marienhaus GmbH Waldbreitbach unter Leitung von Frank Kiehl. Durch ihren jährlich stattfindenden Charityball in unserer Aula im Mai oder Juni haben die FSJler einen großen Anteil am Gelingen unseres Patenschaftprojektes. Auch für Tanzmuffel bietet der Charityball tolle Livemusik und professionelle Showeinlagen unter dem Motto "One night in Africa" oder "Ein Sommernachtstraum". Alle Eltern und Schüler sind herzlich eingeladen!
  • RentAbles Brett
    Einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der Patenschaften leistet seit Dezember 2011 unsere nachhaltige Schülerfirma RentAbles Brett, deren Erlös komplett Ruanda zu Gute kommt.

    zum RentAblen Brett
  • Kuhkekse
    Familie Schmidt und ihre fleißigen Helfer haben schon mehrfach leckere „Kuhkekse“ gebacken und diese zu Gunsten von Ruanda an Schüler, Lehrer und Eltern der Schule verkauft. Auf diese Weise konnten schon mehrere Kühe vor Ort in Ruanda für die Ärmsten der Armen, für Witwen und ihre Kinder, gekauft werden.

    In Ruanda gilt:
    Wenn du eine Kuh mit heimbringst, dann bist du wieder jemand! In Europa misst man dein Ansehen an deinem Bankkonto; in Ruanda zählt, wie viele Kühe du hast.“
    „Wer jemandem eine Kuh schenkt, der hat mit ihm einen Pakt fürs Leben geschlossen."
  • Schulfeste
    An den Secondhand-Basaren während zweier Schulfeste konnte insgesamt eine Summe von 3000€ eingenommen werden. Die Fachkonferenz Religion/ Ethik organisierte zusammen mit vielen fleißigen Helfern dieses aufwändige, aber rentable Projekt. Zudem stellt die Schule erfreulicherweise weitere 2000€ aus dem Gesamterlös des Schulfestes für Ruanda zu Verfügung.

Einzelspenden

  • Fußballtrikots: Marvin Kanserske (heute Kl. 9) spendete einen Satz Fußballtrikots und einige Bälle für die begeisterten Fußballer in Ruanda. Herr Udo Burkart überreichte die große Kiste mit den Trikots bei seinem nächsten Besuch an unserer Partnerschule.
  • Straßensammlung 2006: Einige Schülerinnen der Kl.7 hatten die Idee, eine Straßensammlung für Ruanda durchzuführen, was sie auch selbstständig und erfolgreich umsetzten. Von dem Erlös kaufte Pfarrer U. Nilius vor Ort in Ruanda 12 Ziegen für Witwen und ihre Kinder.
  • Wir zeigen, was wir können (Kl.5): Regelmäßig weisen unsere Klassen fünf bei ihrem Auftritt auf die Situation der Kinder in Ruanda hin und sammeln in Kuhsparkassen Spenden für weitere Kuhkäufe.
  • Juniorfirma: Die Juniorfirma „Casa rustica“ spendete ihren gesamten Gewinn, den sie mit ihren selbst gefertigten Produkten im Landhausstil erwirtschaftete, für Ruanda.