„Wir sind Bühnenhelden“- Vorhang auf für eine Woche voller Theater

Bericht Lisa-Marie Theobald, September 2012

Für uns alle gab es wohl verschiedene Gründe sich in das Projekt "Wir sind Bühnenhelden" einzuschreiben, aber in einem Punkt waren wir uns einig. In dieser Projektwoche wollten wir hinter die Kulissen des Theaters schauen und selbst Erfahrungen im Bereich Schauspiel sammeln. Somit war klar, dass wir alle zu Beginn der Projektwoche gespannt vor der Aula warteten, was wir in dieser Woche wohl alles erleben würden.
Punkt 8 Uhr begrüßte uns unser Spielleiterteam, bestehend aus Frau Stroh, Frau Sobala und Herrn Ackermann, zum Einstieg in die Projektwoche. Das Thema des ersten Tages lautete "Wir fangen an". Da alle Klassenstufen von der 7. bis zur 11. Klasse vertreten waren, bestand die Schwierigkeit für unsere Spielleiter darin, aus uns eine richtige, gut motivierte Gruppe zu schaffen.
Letzteres gelang unserem Spielleiterteam durch eine Vielzahl von Kennenlernspielen, Vertrauensübungen sowie Reaktions- und Gruppenübungen, welche auf dem Programm eines jeden Schauspielerensembles stehen. Im Laufe dieses Tages lernten wir auf spielerische Art und Weise zahlreiche theaterästhetische Gestaltungsmittel, wie z.B. das "Freeze", d.h. das Einfrieren in einem Bewegungsablauf, und die Synchronisation von Gruppenbewegungen unter Berücksichtigung des "peripheren Blicks", kennen.
Nachdem der erste Tag wie im Flug vergangen war, freuten wir uns alle schon sehr auf den zweiten Tag, bei dem das Thema "Was ist Theater?" lautete. Um 8.15 Uhr trafen wir uns am Neunkircher Bahnhof und fuhren mit dem Zug nach Saarbrücken ins Saarländische Staatstheater, wo wir von der Theaterpädagogin Vera Kalb im Foyer herzlich begrüßt wurden. Auf dem Programm stand eine fast zweistündige Führung durch das "Große Haus".
Zunächst durften wir unsere Wünsche bezüglich der Führung äußern, die dann zu unserer Freude wirklich allesamt berücksichtigt wurden: Unser Rundgang begann mit der Besichtigung der Proberäume, d.h. der so genannten "Probebühne 1", "Probebühne 2" und dem "Ballettsaal". Dort wurde bereits mit provisorischen Bühnenbildern gearbeitet, sodass sich die Schauspieler während ihrer täglichen Proben schon vorab an die Architektur des Bühnenbildes und die Requisiten gewöhnen können. Wir erfuhren, dass die Bühnenbilder für die große Bühne nicht im Großen Haus entstehen, sondern in den ausgelagerten Werkstätten des Saarländischen Staatstheaters, welche sich aus verschiedenen Abteilungen zusammensetzen (wie z.B. der Dekorationsabteilung, der Schreinerei, der Schlosserei und dem Malsaal).
Danach durften wir die Kostümabteilung besichtigen, in welcher die rund 10000 Kostüme der letzten und aktuellen Spielzeit gelagert werden. In einem außenstehenden Gebäude des Staatstheaters hängen übrigens weitere 30000 Kostüme. Als Nächstes führte uns Frau Kalb in die legendäre Waffenkammer, in die kunterbunte Schneiderei des Theaters, in das düstere Schuhlager und die etwas chaotische Maskenbildnerei, wo gerade Perücken hergestellt wurden. Unglaublich, dass man für die Herstellung einer Perücke eines Schauspielers drei bis vier Tage braucht. Die Haare dazu sind echt und werden z.B. aus Indien geliefert.
Ein weiteres Highlight war das Betreten des schwindelerregenden Strippenbodens, der uns über die Hauptbühne führte. Hier konnten wir von oben einen ersten Blick auf die Bühne genießen. Gegen Ende der Führung durften wir dann auch die Bühne betreten und den eisernen Vorhang, der das Theater im Brandfall schützt, bestaunen. Steht man erst einmal auf der Bühne, so merkt man, wie groß diese ist. Zum Schluss gingen wir noch auf die Ränge im Zuschauerraum, um die Bühne von vorne betrachten zu können. Der Rundgang endete wieder im Foyer des Theater, wo dann noch ein bisschen Zeit blieb, Frau Kalb Fragen zum Bereich Theater zu stellen.
Motiviert durch die Exkursion nach Saarbrücken, starteten wir am nächsten Morgen frisch in den dritten Tag, an welchem uns das Thema "Improvisation und Dramaturgie" nähergebracht werden sollte. Am Morgen wärmten wir uns zunächst wieder auf, bevor wir verschiedene Improvisationstechniken kennenlernen durften, wie z.B. "Standbilder bauen" oder den berühmten "Toaster". Bei diesen Übungen wurde unsere volle Konzentration, Spontanität und Kreativität gefordert. Am selben Tag wurden auch die Gruppen bestimmt und die Szenen für den Präsentationstag am darauffolgenden Samstag verteilt. Nun war es unsere Aufgabe, die szenischen Kurztexte auswendig zu lernen und sie erst einmal improvisiert vorzutragen.
Donnerstags bekamen wir von Frau Stroh alle ein Blatt mit Sätzen, die für Stimmübungen gedacht waren, da der Tag unter dem Motto "Atem- und Stimmbildung" stand. Jeder musste einen Zungenbrecher vortragen und dabei die eigene Stimmhöhe, Sprechtempo und Lautstärke auf Anweisung verändern. Die teils traurig, wütend, böse, fröhlich und schüchtern vorgetragenen Sätze brachten uns alle zum Lachen. Manche mussten sogar sprechen wie eine alte Frau oder den Satz in Operngesang vortragen. Auch die Lehrer waren mal an der Reihe, was uns natürlich besonders belustigt hat. Später stellte uns dann eine Mitschülerin Zelal Geyek die vier Temperamente des Schauspiels vor. Wir lernten, was es heißt ein Choleriker, ein Sanguiniker, ein Phlegmatiker und ein Melancholiker zu sein. Diese vier Temperamente übten wir nun hinsichtlich ihrer spezifischen Gangarten und Positionen im Raum und übertrugen diese auf unsere Kurzszenen, welche dadurch enorm aufgewertet wurden.
Der letzte Tag der Projektwoche wurde dann neben dem Besuch im Staatstheater ein absolutes Highlight. Das Thema an diesem Freitag lautete "Rollenarbeit und Inszenierung". Nachdem wir den Spielplan für unseren Präsentationstag festgelegt und noch einmal durchgespielt hatten, erwarteten wir Besuch von der Theaterpädagogin Vera Kalb und drei jungen Schauspielern des Saarländischen Staatstheaters. Ron Zimmering, Benjamin Bieber und Johannes Quester führten vor uns in der Aula ihr Stück "Egotrip" auf, bei dem jeder der drei Schauspieler einen ca. 15-minütigen Monolog auf ganz unterschiedliche Weise zum Thema "Künstlertum" und "Text" hielt. In der Schlussszene sangen die Schauspieler dann sogar noch ein selbst komponiertes Lied und begleiteten sich dabei auf der Gitarre. Nach der Aufführung durften wir die drei sympathischen jungen Männer dann noch in einem Schauspielerinterview hautnah erleben und sie mit tausend Fragen löchern.
Alles in allem war es wirklich eine sehr gelungene, da äußerst interessante und bereichernde Projektwoche, die unseren gesamten Mut und jede Menge Einfühlungsvermögen, enorme Ausdauer und ein gutes Stück Disziplin sowie unsere Neugierde und Kreativität abverlangt hat.
Der Vorhang dieser Projektwoche 2012 mag zwar für dieses Jahr erst einmal gefallen sein, aber wir freuen uns auf ähnliche Projekte in der Zukunft und sagen unserem Spielleiterteam VIELEN HERZLICHEN DANK.